Schon wieder ein Montag und schon ist er auch vorbei … wie schnell doch so ein Tag vergeht … und wie schnell wohl diese Woche vergehen wird … alles eine Frage des Zeit-Empfindens ?

Und schon ist er da, der Herbst … dabei hatten wir doch gar nicht so viel Sommer – auf den wir in diesem Jahr so sehnsüchtig gewartet haben – … auch so ein Zeit-Empfinden  …

Zum Thema „Zeit-Empfinden“ habe ich eine sehr schöne Kurzgeschichte in dem Buch „ Berlin – Begegnungen und Begebenheiten“ von Anja Ploaszweski gelesen.

Das Zeitempfinden – 22. Juli -

Unterwegs, in Friedrichshain. Es ist kurz vor 19.00 Uhr. Ich laufe vorbildlich auf dem rechten Bürgersteig,  mir kommt eine Kleinfamilie entgegen. Ein etwa dreijähriges Mädchen geht zwischen seinen Eltern, die es an den kleinen Händen halten. Ich genieße den Anblick, denn die drei sehen zufrieden aus inmitten der nach Hause flüchtenden Leute, von denen sie mal links und mal rechts überholt werden.
Noch sind sie etwa fünfzehn Meter von mir entfernt, doch das laute kindliche Glucksen und Kichern ist nicht zu überhören. Die blonden Zöpfchen der Kleinen wippen bei jedem Hüpfer auf und nieder. Als sie in Reichweite sind, fragt der Fratz seine Eltern lautstark, wie spät es denn jetzt sei. Sie wird doch wohl nicht schon die Uhrzeiten kennen? Ausgeschlossen. Die Mama schaut den Papa grinsend an und teilt dem Kind mit, dass es gleich so ziemlich genau 19.00 Uhr sei. „Hihi … so spät …”, erwidert die Kleine nur, und ihr Gesicht bekommt plötzlich einen nachdenklichen Ausdruck. Diese Antwort und ihre Mimik versetzen mich in Erstaunen und bringen mich gleichermaßen zum Nachdenken.
Was wohl in ihrem Köpfchen vor sich gehen mag? Wie abstrakt muss dem Mädchen wohl diese Zahl erscheinen? Ich selbst erinnere mich nur vage an mein Zeitempfinden damals, das doch so anders war als das der Erwachsenen. Wie lang ist mir damals ein Tag erschienen, vor allem, wenn es ein langweiliger war – und wie lang eine Woche. Ein Monat, vielleicht sogar ein Jahr? Unvorstellbar lang.
Fragt man ein kleines Kind nach seinem Alter, wird es stolz drei oder vier, manchmal sogar schon fünf Finger in die Höhe recken. Es wird noch lange dauern und das Kind ganz ungeduldig lauern, bis es denn endlich einen Finger mehr an seiner kleinen Hand zeigen kann. Nach dem Erscheinen der ersten Zahnlücke wird es dann irgendwann verschwinden, das Fingerzeigen. Dann ist man schon groß. Doch bis dahin ist es wohl noch sehr lang. Ich schmunzele vor mich hin.
Die Familie ist jetzt zwei oder drei Meter hinter mir. Es ist jetzt vielleicht eine Minute nach sieben. Ein Kichern. „Und jetzt, Mama?”, fragt das Mädchen. „Wie spät ist es jetzt?”

Das Buch von Anja Ploaszweski bietet noch viel mehr dieser humorvoll geschriebenen Kurzgeschichten, die zum Nachdenken anregen.

Wer die Hauptstadt einmal aus einer ganz anderen Perspektive: fernab vom Tourismus und ganz nah am Alltagsgeschehen erleben möchte, der ist bei ihr richtig aufgehoben.

Auch auf ihrem Blog „Berlin: Begegnungen und Begebenheiten“ gibt es immer wieder interessantes zum Lesen.

Coralita (Blog-Pseudonym) hat sogar Platz 1 des „Blogger Marthon 2010“ belegt.

Ich frage mich, ist Zeit wirklich nur etwas für Erwachsene?  Wie siehst du das?

Das Buch „ Berlin – Begegnungen und Begebenheiten“

kannst du sofort über Anja beziehen  … einfach << hier klicken >>  …. oder über amazon.de ….

Ich wünsche dir eine schöne, zeitvolle Altweiber-Sommer-Woche …  in der ja die Temperaturen noch einmal recht sommerlich werden sollen …und das zum Herbst-Beginn, noch dazu  Vollmond

Hier bei mir – im Blog – wird es in den nächsten Tagen etwas ruhiger zugehen, ich werde nicht so häufig schreiben und kommentieren können … doch, sobald ich wieder mehr Zeit habe versuche ich alles nachzuholen … also bis BALD !

P.S. Die Veröffentlichung der Geschichte und der Fotos erfolgte mit freundlicher Genehmigung von Anja. Vielen DANK !


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  • Liebe Doris!
    Eine nette Geschichte ist das. Ja, ich erinnere mich noch genau an meine Kindheit und mein damaliges Zeitgefühl. Die Sommerferien waren unendlich lange für mich. Ein Jahr, war eine Ewigkeit. Ich dachte damals auch nicht so wie heute: Schon wieder Somer, oder jetzt ist es bald Herbst oder so ähnlich, die Zeit wurde eben nur im Jetzt gelebt. Ausnahme vielleicht dann ab einem gewissen Alter, dass ich sehnsüchtig auf Weihnachten wartete, auf den Geburtstag. . .Wenn ich meine Zeit mit etwas sehr Schönem fülle, dann scheint sie besonders schnell zu vergehen.
    Dir liebe Doris wünsche ich jetzt eine besonders gut Zeit, bis wir uns wieder lesen :-)
    Beate

    • Liebe Beate,
      mir ging es als Kind genau so ! Als Teenager wurde es dann auch, wie von dir beschrieben … und Heute, mit 50, genieße ich jeden Tag und jeden Augenblick … und die vergehen wirklich sehr schnell …
      herzliche Grüße
      Doris

  • Jouir la vie:

    Das liest sich bis hierhin schon mal ganz nett…

    Sei lieb gegrüßt
    Kvelli

  • GZi:

    Die zeit vergeht wirklich immer schneller und wie im Fluge… als Kind im Grundschulalter führte mein Weg immer an einer Gärtnerei vorbei, wo ganz oft kleine Katzen waren. Da habe ich mich auf dem Nachhauseweg immer verspielt, obgleich ich strenges verbot hatte, da hinzugehen, sondern erst nach Hause kommen, Mittagessen und HAusaufgaben machen sollte. Das gab Ärger!

    • Liebe Gesa,
      ich bin als Kind auch immer mal wieder “aufgehalten” worden … und auch im Teenie-Alter … das gab auch jedes Mal richtig Ärger … erst heute verstehe ich warum … das sind einfach nur die Sorgen, die sich die Eltern machen … und zu dieser Zeit gab es noch keine Handys …
      herzliche Grüße
      Doris

  • Liebe Doris,

    das ist ja nett! Ich danke Dir für diesen Beitrag.
    Schön, dass Dir die Geschichte gefällt! :-)

    Herzliche Grüße,
    Anja Polaszewski

    • Liebe Anja,
      da nicht für … sehr gerne … mir gefällt NICHT nur diese Geschichte aus deinem Buch … mir gefallen deine Begegnungen und Begebenheiten in Berlin insgesamt, die du auch in deienem BLOG – immer wieder – so schön präsentierst …
      liebe Grüße – nach Berlin -
      Doris

  • Liebe Doris,

    das freut mich total, das zu lesen. :-)
    Du gibst Dir hier aber auch mächtig Mühe. Dein Blog verstrahlt Ruhe und Lebensfreude zugleich.

    Ganz liebe Grüße zurück und Dir einen schönen Tag!
    Coralita

  • Hallo Doris,
    ein sehr niedliche Geschichte :-)

    Ich hatte auch als Kind das Gefühl, dass die Zeit nicht vergeht oder nur unendlich langsam – vor allem vor Weihnachten, Geburtstag etc. ;-)
    Mittlerweile denke ich ganz oft: Wahnsinn, wie die Zeit vergeht!

    Liebe Grüße
    Katinka

  • Oh ja, das geht mir auch so. Das ist eigentlich totaaal fies: Wenn man älter wird, bleibt einem weniger Zeit zum Leben. Und die vergeht auch noch schneller! :-D

    LG,
    Coralita

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